WhatsApp, Metadaten und der „erweiterte Chat“ – warum Datenschutz wieder im Fokus steht
Erweiterter Chat bei WhatsApp: Mehr Datenschutz oder nur Marketing?
Der erweiterte Chat bei WhatsApp steht intensiv im Fokus der Datenschutz-Debatte. Viele Nutzer fragen sich, ob die neuen Funktionen wirklich mehr Schutz bieten oder ob "Datenschutz" hier nur ein Marketingbegriff ist. Diese Diskussion wurde maßgeblich durch eine von Sicherheitsforschern aufgedeckte Schwachstelle ausgelöst, die zeigte, wie viele Metadaten trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesammelt werden können. In diesem Kontext gewinnt der erweiterte Chat-Datenschutz eine neue Bedeutung.
1. Metadaten-Schwachstelle: Ein Weckruf für WhatsApp-Datenschutz
Im Jahr 2025 deckten Sicherheitsforscher der Universität Wien und des SBA Research eine kritische Schwachstelle in der Contact-Discovery-Funktion von WhatsApp auf. Diese Funktion dient dazu, Telefonnummern aus dem Telefonbuch mit bestehenden WhatsApp-Konten abzugleichen.
Pressemitteilung der Universität Wien: https://www.univie.ac.at/aktuelles/press-room/pressemeldungen/detail/forscherinnen-entdecken-grosse-sicherheitsluecke-in-whatsapp
Die Forscher demonstrierten, dass diese Schnittstelle in großem Umfang automatisiert abgefragt werden kann. So konnten bis zu 3,5 Milliarden WhatsApp-Accounts identifiziert werden. Obwohl keine Chat-Inhalte betroffen waren, wurde deutlich, wie sensibel Metadaten für den Datenschutz sind.
1.1 Welche Daten waren betroffen?
Folgende Daten konnten über die Schwachstelle gesammelt werden:
Telefonnummern und Account-Zuordnung
Öffentlich sichtbare Profilinformationen
Daraus ableitbare Metadaten, die Rückschlüsse auf Nutzung und soziale Netzwerke zulassen
Diese Erkenntnis ist zentral für den erweiterten Chat-Datenschutz: Verschlüsselung schützt Inhalte, aber nicht automatisch alle Begleitdaten.
2. Weitere Datenschutzbedenken rund um den erweiterten Chat
Der erweiterte Chat-Datenschutz wird oft als Reaktion auf genau diese Probleme verstanden. Dennoch sollten Nutzer mehrere Punkte kennen und kritisch hinterfragen.
2.1 Metadaten bleiben relevant
Auch mit erweitertem Chat-Datenschutz verarbeitet WhatsApp weiterhin Metadaten. Dazu gehören beispielsweise:
Zeitpunkte der Kommunikation
Geräte- und Verbindungsinformationen
Grundlegende Nutzungsdaten
Diese Informationen sind laut WhatsApp notwendig für den Dienstbetrieb, stehen aber regelmäßig in der Kritik von Datenschützern.
Dabei sind Metadaten letzlich auch nur normale Daten, wie z.B. Telefonnummern.
2.2 Cloud-Backups und der erweiterte Chat-Datenschutz
Ein häufiger Irrtum ist, dass der erweiterte Chat-Datenschutz ein verschlüsseltes Backup ersetzt. Wer Chats in iCloud oder Google Drive sichert, sollte zusätzlich Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups aktivieren. Andernfalls kann der Datenschutz auf Backup-Ebene deutlich schwächer sein als im eigentlichen Chat.
WhatsApp-Hilfe zu verschlüsselten Backups: https://faq.whatsapp.com/490592613091019/?cms_platform=android&locale=de_DE
2.3 KI-Funktionen als neuer Datenschutz-Faktor
Mit neuen KI-Funktionen wie Zusammenfassungen oder Schreibvorschlägen verarbeitet WhatsApp Inhalte technisch weiter. Der Mutterkonzern Meta Platforms bewirbt dies unter dem Konzept "Private Processing". Dennoch bleibt bei vielen Nutzern Skepsis, da die Inhalte zumindest temporär verarbeitet werden müssen.
Einordnung durch The Verge: https://www.theverge.com/news/658646/whatsapp-is-working-on-private-ai-chats-in-the-cloud
Der erweiterte Chat-Datenschutz soll hier gezielt einschränken, wann und wie Inhalte für solche Funktionen genutzt werden dürfen.
2.4 Was leistet der erweiterte Chat-Datenschutz tatsächlich?
Der erweiterte Chat-Datenschutz bei WhatsApp konzentriert sich vor allem auf:
Einschränkung des Chat-Exports
Verhinderung automatischer Medienspeicherung
Zusätzliche Schutzmechanismen bei sensiblen Chats
Er ersetzt jedoch keine absolute Kontrolle. Screenshots oder manuelles Kopieren lassen sich weiterhin nicht vollständig verhindern.
3. So aktivierst du den erweiterten Chat-Datenschutz bei WhatsApp
Der erweiterte Chat-Datenschutz bei WhatsApp wird nicht global, sondern pro Chat aktiviert. Dies ist wichtig für die praktische Nutzung.
3.1 Schritte zur Aktivierung (Android und iPhone)
Öffne den gewünschten Einzel- oder Gruppenchat.
Tippe oben auf den Kontakt- oder Gruppennamen.
Wähle „Erweiterter Chat-Datenschutz“.
Aktiviere die Funktion.
Nach der Aktivierung gelten die erweiterten Datenschutzregeln ausschließlich für diesen Chat.
3.2 Zusätzliche Einstellungen für maximalen WhatsApp-Datenschutz
Um den erweiterten Chat-Datenschutz sinnvoll zu ergänzen, solltest du außerdem:
Profilfoto, Info und Zuletzt-online einschränken
Gruppen-Einladungen begrenzen
Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups aktivieren
Erst das Zusammenspiel dieser Optionen ergibt einen konsistenten WhatsApp-Datenschutz.
Fazit: Warum der erweiterte Chat bei WhatsApp datenschutzrelevant ist
Der erweiterte Chat-Datenschutz bei WhatsApp ist keine kosmetische Funktion. Er ist eine direkte Reaktion auf reale Datenschutzprobleme wie Metadaten, Schnittstellen und neue KI-Verarbeitungen. Die aufgedeckte Schwachstelle hat gezeigt, dass Datenschutz nicht bei der reinen Verschlüsselung von Inhalten endet.
Der erweiterte Chat stellt einen sinnvollen Baustein dar. Er ist jedoch nur dann wirksam, wenn Nutzer ihn aktiv einsetzen und mit weiteren Privatsphäre-Einstellungen kombinieren.